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Hatterwan Architects: Tradition, Handwerkskunst und modernes Wohnen

Hatterwan Architects: Tradition, Handwerkskunst und modernes Wohnen


Hatterwan Architects:
Conservation, Craft and Contemporary Living



Manche Architekturbüros verfolgen eine klar erkennbare Ästhetik. Hatterwan Architects widerstehen diesem Impuls. Ihre Arbeit entsteht aus dem Kontext und aus dem Austausch zwischen Kulturen, Klimazonen und verschiedenen Formen des Wohnens.

Das von Klara Wan und Mark Hatter geführte und von RIBA akkreditierte Architekturbüro hat seinen Sitz in London und arbeitet sowohl im gesamten Vereinigten Königreich als auch international. Das Spektrum reicht von Projekten der Denkmalpflege über private Wohnhäuser bis hin zu Hotelzimmern. Statt einen festen Stil zu verfolgen, legen sie den Fokus auf Proportion, Materialqualität und räumliche Klarheit.

Diese Sensibilität für Kontext und Austausch wird besonders im Highgate House im Norden Londons deutlich. Hier wurde ein dreigeschossiges Haus aus den 1930er-Jahren umfassend mit einer markant gestalteten Master-Suite im Dachgeschoss als Höhepunkt architektonisch umgestaltet.



 Klara Wan und Mark Hatter, Hatterwan Architects.


Zwei Perspektiven, ein Architekturbüro

Q. Ihr Weg kreuzte sich erstmals, als Sie im selben Londoner Büro arbeiteten. Wie entwickelte sich daraus Hatterwan, und wie ergänzen sich Ihre Hintergründe kreativ?

A. Wir arbeiteten zwar im selben Büro, allerdings nicht direkt zusammen. So hatten wir die Möglichkeit, einander bei der Arbeit zu beobachten, bevor wir entschieden, dass eine Zusammenarbeit erfolgreich sein würde.

Wir sehen uns beide als Generalisten. Jeder von uns kann ein Projekt eigenständig leiten, doch ein zweites Paar Augen, das den Ansatz überprüft und gelegentlich hinterfragt, führt oft zu einem besseren Ergebnis.

Q. Sie haben in Singapur und an der RISD studiert, und Ihr Kollege an der Bartlett School of Architecture. Sie haben beide zudem in einigen der renommiertesten Londoner Architekturbüros gearbeitet. Wie prägen diese prägenden Erfahrungen Hatterwan bis heute?

A. Viele unserer Projekte beinhalten ein Element des Austauschs zwischen verschiedenen Orten. Ein Kunde kann im Ausland ansässig sein, aber in London bauen lassen, oder wir entwerfen ein Projekt, das in einem anderen Land realisiert werden soll. Dabei beachten wir häufig unterschiedliche kulturelle Vorstellungen von Wohnräumen und verschiedene Designsprachen.

Einige Vorstellungen davon, was als komfortabel oder vertraut gilt, variieren stark zwischen den Hemisphären, während andere universell erscheinen. Die Auseinandersetzung mit diesen Unterschieden motiviert uns, bestehende Annahmen zu hinterfragen und offen für neue Herangehensweisen zu bleiben.



Diese Sensibilität für kulturelle Nuancen spiegelt sich direkt in der Herangehensweise von Hatterwan an Wohnprojekte wider. Für sie liegt der Erfolg eines Hauses nicht nur in seiner architektonischen Klarheit, sondern auch darin, wie der Alltag seiner Bewohner gestaltet wird.


Hampstead Townhouse, Camden – ein bewusst neu gestaltetes Untergeschoss, in dem Oberlichter und raumhohe Schiebetüren Tageslicht und Gartenblicke direkt ins Herz des Hauses bringen.


Emotionen, Vertrauen und das Wesen eines Zuhauses

Q. Wie verläuft das erste Gespräch, wenn ein Kunde zum ersten Mal Ihre Tür betritt? Worauf achten Sie besonders, und wie beginnen Sie, aus diesem ersten Impuls eine gestalterische Geschichte zu entwickeln?

A. Die oberste Priorität ist der Aufbau einer persönlichen Verbindung. Ein Großteil unserer Arbeit betrifft Familienhäuser und kleine Unternehmen, bei denen die Kunden emotional stark in das Projekt involviert sind. Eine klare Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitiges Vertrauen sind dabei besonders wichtig, vor allem wenn ein Projekt in die komplexeren Bauphasen übergeht.

Bei der Arbeit mit neuen Kunden ist es zudem wichtig, einzuschätzen, wie viel Erfahrung sie bereits mit Bauprojekten haben. Wer schon mehrere Immobilien renoviert hat, fühlt sich im Umgang mit Plänen sicher und kennt die Abläufe auf einer Baustelle. Kunden, die zum ersten Mal ein Haus sanieren, benötigen dagegen oft mehr Hintergrundinformationen und Zusicherungen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Diese Unterschiede zu erkennen, hilft uns, den Prozess gezielt zu steuern.

Q. Viele Architekten sprechen von Kontext. In London geht es dabei häufig um Schutzgebiete oder denkmalgeschützte Gebäude, während es anderswo eher um Stimmung oder Atmosphäre geht. Wie finden Sie die Balance zwischen Ort, historischer Substanz und gelebtem Alltag, wenn Sie ein Wohn- oder Hotelprojekt gestalten?

A. Bei Renovierungsprojekten ist es entscheidend zu verstehen, was den Kunden ursprünglich an einer Immobilie angesprochen hat. Eingriffe dürfen diesen ursprünglichen Reiz nicht beeinträchtigen. Manchmal sind die Lage und Ausblicke von größter Bedeutung, und das Interieur kann als leere Vorlage behandelt werden. In anderen Fällen, insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden oder in Schutzgebieten, muss der Charakter der Räume erhalten bleiben, während subtilere Anpassungen vorgenommen werden, um den Anforderungen und Wünschen der Kunden gerecht zu werden.

Auch die Nutzungsdauer eines Raumes beeinflusst, wie er wirken sollte. Räume, die nur kurzzeitig genutzt werden, wie Restaurants oder Ferienhäuser, können durchaus inszeniert sein und eine starke, markante Persönlichkeit haben. Ein Zuhause, in dem Menschen ihren Alltag verbringen, profitiert hingegen oft davon, neutraler und vielschichtiger gestaltet zu sein, sodass sein Charakter sich nach und nach entfalten kann.


Loft-Ausbau in Willesden Green – eine offene Küche mit einer türkischen Marmorinsel und Eicheneinbauten, eingebettet in eine zurückhaltende Farbpalette aus Putz und Linoleum.


Q. Glauben Sie, dass Hatterwan einen wiedererkennbaren Stil hat oder entsteht das Erscheinungsbild jedes Projekts rein als Reaktion auf den Kontext und die Wünsche der Kunden?  

A. Bestimmte stilistische Elemente wie zum Beispiel moderne Details in klarer Gestaltung und eine reiche Materialauswahl ziehen sich immer wieder durch unsere Arbeit. Dennoch entsteht bei jedem Projekt eine eigene Ästhetik, anstatt dass wir einen festen Look vorgeben. Der Entwurfsprozess würde schnell eintönig werden, wenn wir bei jedem Projekt immer wieder dieselben Gestaltungsprinzipien wiederholen würden.

Wir betrachten den Entwurfsprozess als Zusammenarbeit mit den Kunden und regen sie dazu an, einen Ausgangspunkt zu liefern. Dies können Bilder oder verbale Beschreibungen sein, die wir als Grundlage verwenden. Kunden, die sich in den frühen Phasen gehört fühlen, sind später meist offen für die weiterentwickelten Vorschläge.


Highgate House im Norden Londons, eine umfassende architektonische Umgestaltung mit einem markanten Treppenkern und großzügigen Fensterflächen, die Tageslicht tief in den Grundriss bringen und die Verbindung zwischen Wohnräumen und Garten stärken.


Gerade bei der Renovierung des Highgate House durch Hatterwan treten diese Ideen besonders deutlich hervor. Das Projekt liegt in einem Schutzgebiet im Norden Londons und umfasste eine behutsame Überarbeitung eines Hauses aus den 1930er-Jahren, bei der der Respekt vor dem Umfeld mit einer zeitgemäßen räumlichen Sprache in Einklang gebracht wurde.

Ganz oben wurde die Master-Suite als offener Raum innerhalb der Dachkonstruktion konzipiert. Das große Panoramafenster ermöglicht nicht einen Blick auf die umliegenden Gärten, sondern durchflutet das Dachgeschoss mit Licht. Der Raum wirkt ruhig und stimmig, ist aber zugleich stark genug, um eine Reihe markanter Elemente in der offenen Raumgestaltung zu tragen. Innerhalb dieser offenen Raumkomposition wirken die Riluxa-Badewanne und die Waschtische wie markante Formen in der Architektur, statt einfach nur als funktionale Elemente.

In diesem Umfeld geht das Badezimmer über seine reine Funktion hinaus und wird zu einem integralen Bestandteil der Architektur.


Badezimmerdesign in Highgate: Zusammenarbeit mit Riluxa

Q. Badezimmer haben sich längst über reine Funktion hinaus entwickelt. Was macht Ihrer Ansicht nach ein Badezimmer aus, das nicht nur schön, sondern wirklich unvergesslich ist?

A. Badezimmer gehören zu den intimsten Räumen, die wir gestalten. Wir alle sind besonders empfänglich für Eindrücke, wenn wir morgens noch im Halbschlaf duschen gehen. In diesem Zustand können selbst kleine Makel wie ein ungünstig platzierter Wasserhahn, grelles Licht oder eine brummende Ventilation schnell zu Störfaktoren werden. Ein erfolgreiches Badezimmer ist eines, das sich mühelos nutzen lässt und fast unbewusst Ruhe und Komfort vermittelt.

Kunden bitten uns oft, eine Hotel-Suite nachzuempfinden, die ihnen gefallen hat. In solchen Fällen ist es wichtig zu klären, ob sie wirklich vom Design beeindruckt waren oder einfach davon, dass das Badezimmer täglich gereinigt und gepflegt wurde.



Freistehende Badewanne Osaka und Aufsatzwaschbecken Lyon von Riluxa, gefertigt aus Mineralstein. Highgate House, Nord-London.


Q. In der Master-Suite des Highgate House befinden sich die Badelemente innerhalb eines offenen Dachraums. Wie hat das Ihre Entscheidungen beeinflusst?

A. Da die Badelemente offen gestaltet und über die Master-Suite verteilt waren, mussten sie als eigenständige, markante Objekte wirken. Wir haben uns für die Osaka badewanne entschieden, damit es keine „Front“ gibt und die Wanne den Raum aus allen Richtungen anspricht. Die Lyon Aufsatzwaschbecken wurden aus einem ähnlichen Grund ausgewählt, nämlich wegen ihrer markanten Qualität als auch, weil sie sich harmonisch in eine Palette von Weißtönen einfügen lassen.

Die Suite selbst nimmt das Dachgeschoss ein und bietet durch ein großes Panoramafenster einen fantastischen Ausblick auf die umliegenden Gärten. Um das Gefühl zu betonen, dass der Raum über seiner Umgebung zu schweben scheint, entwickelten wir ein Konzept aus strukturierten Weißtönen und fast weißen Nuancen. Doppelt geöltes Holzparkett und vertäfelte Wände stehen neben Gusskautschuk in den Nassbereichen, während Polstermöbel wie das Kopfteil und lose Stoffbezüge die Farbtöne der Einbauten aufgreifen. Die Sanitärelemente werden so Teil dieser zurückhaltenden Komposition, statt sich von ihr abzuheben.

Q. Welche Grundsätze verfolgen Sie bei der Auswahl von Materialien und Oberflächen für ein anspruchsvolles privates Badezimmer?

A. Zwar sind das Aussehen und die Atmosphäre wichtig, doch mindestens ebenso grundlegend ist die Funktionalität. Materialien müssen Wärme entsprechend isolieren oder leiten. Leitfähige Materialien wie Naturstein eignen sich beispielsweise gut für Fußbodenheizungen, während weichere Materialien wie ein Gusskautschukboden besser zu Badezimmern passen, die über Heizkörper erwärmt werden. Die Feuchtigkeitsbeständigkeit sollte insbesondere in kleineren Räumen stets berücksichtigt werden.

Die Qualität hat oberste Priorität. Günstigere Armaturen können langfristig Probleme verursachen. Auch die Wartungsfreundlichkeit ist wichtig, darf jedoch nicht zulasten des Designs gehen. Die Badezimmern, die am sorgfältigsten gepflegt werden, sind oft diejenigen, die ein Kunde am meisten genießt.


Von Singapur bis in den Norden Londons

Q. Wenn Sie zurückblicken: Gab es ein frühes Projekt, das für die Prägung Ihrer Identität als Architekturbüro besonders bedeutsam war?


A. Eines unserer frühesten Projekte war ein großes Neubauhaus in Singapur. Es bot uns die Freiheit, Ideen zu erkunden, die in späteren Arbeiten wieder aufgegriffen wurden. Strategien wie die Organisation von Räumen um einen zentralen Innenhof, die Einführung einer offenen markanten Treppe, das Einbringen von Tageslicht in ein Untergeschoss und die Schaffung diffuser Übergänge zwischen Gebäude und Landschaft wurden anschließend an unterschiedliche Maßstäbe und Klimazonen angepasst. 

Diese Strategien entwickeln sich weiterhin, doch das zugrunde liegende Interesse bleibt dasselbe: die Kontinuität zwischen Innenraum und seiner Umgebung zu schaffen.

Eine freistehende Badewanne, platziert in einem begrünten Lichtschacht eines dreigeschossigen Einfamilienhauses in Singapur, die die Grenze zwischen Innen- und Außenraum sanft auflöst.


Q. Ihre aktuellen Projekte reichen von Denkmalpflege-Arbeiten in Edinburgh bis zu Hotelzimmern in Mayfair. Wie prägt diese Vielfalt das Architekturbüro?  

A. Wir haben kürzlich die Umgestaltung eines großen, denkmalgeschützten Hauses in Edinburgh abgeschlossen und arbeiten derzeit an mehreren privaten Wohnprojekten in London und anderen Teilen des Vereinigten Königreichs. Parallel dazu entwickeln wir eine Reihe von Restaurants in London für einen malaysischen Auftraggeber.

Die verschiedenen Bautypen sorgen für die nötige Abwechslung. Eine unterirdische Bar in Mayfair erfordert eine ganz andere Atmosphäre als ein Stadthaus in Hampstead, doch die zugrunde liegenden Aspekte bleiben ähnlich. Licht, Proportionen und Materialqualität sind unabhängig von Maßstab oder Umgebung stets zentrale Überlegungen.


Eine behutsame Umgestaltung eines denkmalgeschützten georgianischen Stadthauses der Kategorie A in Edinburghs New Town, bei der historische Innenräume sorgfältig überarbeitet wurden und gleichzeitig ein zeitgemäßes Wohnen möglich wird.

Q. Bevor wir zum Schluss kommen: Gibt es einen Designer, Architekten oder kreativen Denker aus der Vergangenheit oder Gegenwart, der Ihre Arbeit oder Philosophie beeinflusst?

A. Der amerikanische Architekt John Lautner (1911–1994) und Geoffrey Bawa aus Sri Lanka (1919–2003) sind für uns nach wie vor wichtige Referenzen. Beide schufen experimentelle Einzelresidenzen, in denen das Interieur scheinbar in die umgebende Landschaft überging.

Lautner entwickelte radikale, technologiegetriebene Raumkonzepte für seine Häuser, während Bawa eine traditionelle Bauweise mit modernistischer Sensibilität verband. Auf unterschiedliche Weise ließen beide die Grenzen der Architektur verschwimmen.

Die Idee, dass Innenräume nach außen fließen, anstatt eingeschlossen zu sein, wirkt in unseren eigenen Projekten weiterhin nach, sei es in einem tropischen Innenhofhaus oder in einer Dachgeschoss-Suite mit Blick auf die Gärten Nord-Londons.


Hatterwan Architects ist ein in London ansässiges, bei der RIBA registriertes Architekturbüro, das sowohl im Vereinigten Königreich als auch international Wohn- und Hotelprojekte realisiert.

Weitere Projekte von Hatterwan Architects: https://www.hatterwan.com


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